Matthias Koernich
Visuelle Darstellung des Internets

Digitale Medien in die Schule!

70 Prozent aller Schüler haben ein Smartphone in ihrer Schultasche. Aber im Unterricht spielen digitale Medien keine Rolle. Ich hatte die Vorstellung, dass wir durch Initiativen wie Schulen ans Netz schon viel weiter sind. Immerhin wurde die Initiative 2012 eingestellt, weil sie ihr Ziel erreicht haben soll.

Doch seitdem ich eine Tochter auf dem Gymnasium habe,  habe ich gelernt, dass meine Vision eines mit Computer, Internet oder gar Tablets gespickten Unterrichts dem Science Fiction Genre angehört. Nur wenige Lehrer interessierten sich dafür, Themen wie Facebook im Unterricht zu behandeln. Eltern kultivieren die  Angst vor den Gefahren des Internets, und die Ausstattung der Schule ist im digitalen Bereich mangelhaft. Was die Smartphones aus den Schultaschen betrifft, wurde deren Gebrauch auf der Klassenfahrt untersagt. Auf Nachfrage war der unter dreißigjährigen Lehrkraft gar nicht bewusst, dass für viele das Smartphone auch den Fotoapparat und den MP3-Player ersetzt. Und wie „fortschrittlich“ die Wahl der Lehrmittel ist, erfuhr ich, als wir verpflichtet wurde für den Mathematikunterricht einen grafikfähigen Taschenrechner (mehr dazu) für 120 Euro zu erwerben, der als veraltet gilt und auch nur für dieses Fach taugt. Eine App auf einem vorhandenen Smartphone zu nutzen wäre günstiger.

Das klingt nach Häme und Privatempirie. Leider stützt die  International Computer and Information Literacy Study meine Beobachtungen und zeigt wie prekär die Situation tatsächlich ist. Die Forscher kritisierten insbesondere Schulen und Lehrer mit bösen Worten:

Hierzulande lernen Schüler den Umgang mit Computer trotz Schule.

Die Hälfte der getesteten Achtklässer weiß nicht, wie eine Internetadresse eingegeben wird. Ein Drittel der Schüler verfügt nur über rudimentäre Internetfähigkeiten. Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass diese Schüler nur mühsam am privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Leben im 21. Jahrhundert teilhaben werden. Damit ist auch widerlegt, dass die junge Generation den Umgang mit der digitalen Welt lernt, weil sie damit aufwächst.  Nutzung ist eben nicht gleich zu setzen mit Kompetenz!

Es sind nicht nur die Schulen und Lehrer, die hier aufholen müssen. Weil die Gefahren hierzulande gerne häufiger beschworen werden wie die Chancen, wird ein Buch wie Digitale Demenz des Hirnforschers Manfred Spitzer zum Bestseller das sämtliche Ängste ausgiebig bedient. Auch wenn dessen einseitige Thesen zum Teil  recht gewagt sind (mehr dazu) und statt Medienkompetenz weitgehenden Verzicht predigen. Cybermobbing,  Kinderpornografie oder Geheimdienste, die jedem alle Daten abzapfen, macht die digitale Welt bei den Ängstlichen – oft sind es die Eltern- zu einem düsteren Ort vor dem die Kinder geschützt werden müssen.

Aber ist Ignoranz das richtige Mittel gegen die Gefahren? Wem wollen wir die digitale Zukunft dann überlassen? Denn aufhalten lässt sich die Entwicklung nicht. Und es ist die heranwachsende Generation die mit den Ergebnissen leben muss. Es ist fahrlässig und verschenkt gesellschaftliches Potenzial, den Kindern Kompetenz vorzuenthalten, denn dann sind sie reine Konsumenten dessen, was ihnen, wer auch immer im Netz serviert.

In der oben genannten Studie wird erkannt,

dass Deutschland ohne eine konzeptionelle Verankerung digitaler Medien in schulische Lehr- und Lernprozesse unter Berücksichtigung des kompetenten Umgangs mit neuen Technologien im internationalen Vergleich auch künftig nicht über ein mittleres Leistungsniveau hinauskommen wird.

Es war noch nie so einfach am Weltgeschehen über die digitalen Medien aktiv teilzunehmen. Jedes Schulfach würde davon profitieren, die gar nicht mehr ganz so neuen Medien als Werkzeug zu nutzen. Es muss nicht unbedingt ein Fach Medienkompetenz geben, sondern sie wird durch den begleiteten Gebrauch erworben. Ein Schüler aus Bayern hat es beispielsweise vorgemacht,indem er ein interaktives, digitales  Physik-Schulbuch hergestellt hat.

 

Bildnachweis: „Internet map 1024“ von The Opte Project – Originally from the English Wikipedia; description page is/was here.. Lizenziert unter Creative Commons Attribution 2.5 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Internet_map_1024.jpg#mediaviewer/File:Internet_map_1024.jpg

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