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	<title>Künstliche Intelligenz-Archiv - Matthias Körnich – Medien, Haltung, Storytelling</title>
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	<description>Gedanken zu Medien, Gedanken zu Medien, Führung und Storytelling. Leiter Kinder &#38; Familie, WDR.</description>
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	<title>Künstliche Intelligenz-Archiv - Matthias Körnich – Medien, Haltung, Storytelling</title>
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		<title>Haltung in Zeiten der KI — Warum wir Reibung brauchen</title>
		<link>https://matthiaskoernich.de/2026/05/23/haltung-in-zeiten-der-ki-warum-wir-reibung-brauchen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Matthias Körnich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 May 2026 15:22:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auf der re:publica 2026 hielt die Künstlerin Hito Steyerl einen Vortrag der mit &#8222;Friction&#8220; überschrieben war. Im Zentrum des Vortrags stand die Idee, das die K.I.-Industrie Reibung (Friction) eliminiert. Alles ist glatt, effizient, schnell und unsichtbar. Sie verbindet es mit einem von Immanuel Kant entlehnten Bild: Eine Taube kann nur fliegen, weil es Luftwiderstand gibt. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://matthiaskoernich.de/2026/05/23/haltung-in-zeiten-der-ki-warum-wir-reibung-brauchen/">Haltung in Zeiten der KI — Warum wir Reibung brauchen</a> erschien zuerst auf <a href="https://matthiaskoernich.de">Matthias Körnich – Medien, Haltung, Storytelling</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Auf der re:publica 2026 hielt die Künstlerin Hito Steyerl einen Vortrag der mit &#8222;Friction&#8220; überschrieben war. Im Zentrum des Vortrags stand die Idee, das die K.I.-Industrie Reibung (Friction) eliminiert. Alles ist glatt, effizient, schnell und unsichtbar. Sie verbindet es mit einem von Immanuel Kant entlehnten Bild: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Taube kann nur fliegen, weil es Luftwiderstand gibt. Ohne Reibung stürzt sie ab.</strong></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Daraus entsteht ein relevantes Problem: Verantwortung, Transparenz und gesellschaftlicher Kontext verschwindet. Um kreativ zu sein oder Kunst zu schaffen muss ich aber Verantwortung übernehmen, ich kann sie nicht durch K.I. ersetzen. Das bedeutet, wenn ich technische Entscheidungen treffe, treffe ich auch ästhetische und politische Entscheidungen. Es geht um Haltung in Zeiten der KI.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Wer im Kreativbereich arbeitet, handelt fahrlässig, wenn er KI ignoriert. </h5>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht weil sie ein neues Werkzeug ist — sondern weil sie zwei Fragen aufwirft, die sich nicht delegieren lassen: Bereichert KI den kreativen Prozess, oder zerstört sie ihn? Und: Wie können wir durch kreatives Schaffen überhaupt eine Haltung zu ihr entwickeln und unsere Verantwortung nicht aus der Hand geben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese zweite Frage ist entscheidend. Denn sie ist keine ästhetische — sie ist eine existenzielle. Zumindest wenn man die Warnungen von Yoshua Bengio ernst nimmt. Bengio ist kein KI-Gegner. Er ist der meistzitierte Informatiker der Welt, Turing-Preisträger, einer der Väter des Deep Learning. Und er warnt: Wenn wir nichts tun, könnten hyperintelligente Maschinen eigene Erhaltungsziele entwickeln — und innerhalb eines Jahrzehnts eine existenzielle Bedrohung für die Menschheit darstellen. Er fügt hinzu: Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit nur ein Prozent betrüge, wäre das nicht akzeptabel. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor drei Jahren, sagt Bengio, habe er sich verzweifelt gefühlt — ohne jede Ahnung, wie das Problem zu lösen sei. Inzwischen sieht er mit seiner Forschungsorganisation LawZero einen technischen Weg. Sein Optimismus ist gewachsen. </p>



<h5 class="wp-block-heading">Aber die Warnung bleibt. Verantwortung durch Reibung.</h5>


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<div class="schema-faq wp-block-yoast-faq-block"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist keine Dystopie. Es ist eine Bedingung — und eine Aufforderung. Wenn wir zwischen uns und der Technik keine kritische Distanz- nach Hito Steyerl könnte man es  &#8222;Friktion&#8220; nennen-  erzeugen, verschwindet Verantwortung und die Technik übernimmt mit unabsehbaren Folgen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bengio sucht eine Weg über die Verbesserung der Technik, aber man kann durchaus sehr viel früher ansetzen, indem man Haltung entwickelt.  Warum ist Haltung dabei so wichtig? Weil sie Handeln orientiert. </p>



<h5 class="wp-block-heading">Haltung ist nicht dasselbe wie Meinung. </h5>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Meinung kann man haben, ohne zu handeln. Haltung zeigt sich erst in der Entscheidung — was man der K.I. überlässt, und wo man eine Grenze zieht. Nicht aus Angst, sondern aus Urteil. Dieses Urteilsvermögen ist kein natürlicher Zustand. Es entsteht durch ein Bildungsideal, das nicht auf Wissensanhäufung beruht, sondern auf Skepsis, Neugier und der Bereitschaft, unbequeme Fragen zu stellen. Immer wieder. Dieselben und neue.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Armin Maiwald, einer der Gründerväter der Sendung mit der Maus, hat das einmal so formuliert: <em>Wir sind nicht die Schule der Nation.</em> Ein anderer Wirklichkeitszugang. Kein Lehrplan. Keine richtige Antwort am Ende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sesamstraße sagt es direkter: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Wer nicht fragt, bleibt dumm</strong>.</em></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Beides klingt simpel. Beides ist radikal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schule, wie wir sie kennen, war eine Antwort auf ihre Zeit. Die industrielle Revolution brauchte ausgebildete Arbeitskräfte für unterschiedliche Aufgaben in der Produktionskette — pünktlich, spezialisiert, funktional. Die Schule hat diese Anforderung erfüllt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seither hat sich vieles verändert. Ganztagsschule, Inklusion, digitale Ausstattung, neue pädagogische Konzepte. Aber die DNA des Systems — der 45-Minuten-Takt, die Fächertrennung, die Notenlogik, der Gleichschritt ist geblieben. Sie wirkt im Hintergrund weiter, auch wenn die Oberfläche modernisiert wurde. Diese Architektur war zugespitzt formuliert nie darauf ausgelegt, Urteilsvermögen zu erzeugen. Sie war darauf ausgelegt, es zu ersetzen — durch richtige Antworten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt Lehrerinnen und Lehrer, Schulen, pädagogische Konzepte, die genau dagegen arbeiten. Auf sie kommt es an. Aber sie sind die Ausnahme — und das System schützt sie nicht, es duldet sie bestenfalls. Wer nicht hineinpasst, merkt es schnell. Unbequeme Schülerinnen und Schüler, die zu viel fragen. Lehrerinnen und Lehrer, die zu viel zulassen. Und vor allem: Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Die werden nicht unterrichtet — sie werden vermieden. Dabei sind es genau diese Fragen, die Haltung erzeugen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Große Umbrüche erzeugen fast immer denselben Reflex: den Rückzug ins Bekannte. </h5>



<p class="wp-block-paragraph">Das Neue verunsichert — und die Antwort darauf ist häufig nicht Aufbruch, sondern Sehnsucht nach Überschaubarkeit. Der PISA-Schock 2001 hätte ein Wendepunkt sein können. Die Erkenntnis war da: Deutschlands Schülerinnen und Schüler können Wissen nicht anwenden, nicht urteilen, nicht transferieren. Die Reaktion darauf war bezeichnend — mehr Tests, mehr Standards, mehr Vergleichbarkeit. Und in einer Bildungsdebatte, die schon vor PISA schwelte und danach neuen Auftrieb bekam: die Forderung nach einem nationalen Bildungskanon. Was muss man gelesen haben? Was muss man wissen? Mehr Stoff also. Mehr richtige Antworten. Derselbe alte Reflex — und das in dem Moment, der eigentlich einen anderen Weg geöffnet hätte.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Dieses Muster ist nicht neu. </h5>



<p class="wp-block-paragraph">Als Gutenberg den Buchdruck erfand, begrüßte die Kirche die neue Technologie zunächst — sie ließ Bibeln drucken und Ablassbriefe vervielfältigen. Die Zensur kam erst, als Martin Luther den Buchdruck nutzte, um ihre Autorität zu untergraben. Nicht die Technologie wurde bekämpft — sondern das, was Menschen damit machten. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Auch bei K.I..</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Industrialisierung die Webstühle ersetzte, zerstörten die Maschinenstürmer — die Ludditen — die Maschinen. Nicht wahllos und nicht aus Dummheit, wie das Klischee es will. Der Historiker E.P. Thompson hat gezeigt: Sie bekämpften nicht die Technik, sondern die neuen Wirtschaftsbeziehungen, die mit ihr durchgesetzt wurden — den Verlust von Festpreisen, Würde, gewachsenen Ordnungen. Ihre Aktionen waren gezielt: Maschinen bestimmter Eigentümer wurden zerstört, andere verschont. Der Rückzug ins Bekannte war eine rationale Reaktion auf reale Verluste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das WWW in den 1990er Jahren auftauchte, schrieb der Autor und Wissenschaftler Clifford Stoll 1995 in Newsweek einen vielzitierten Essay — Titel: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>The Internet? Bah!</em> </strong></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Online-Datenbanken würden keine Zeitungen ersetzen, kein Computernetzwerk werde die Art verändern, wie Regierungen funktionieren. Er lag falsch. Aber seine Skepsis war menschlich verständlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was alle drei Momente verbindet: Der Rückzug ins Bekannte als erste Reaktion auf das Unbekannte. Und versetzt — die Weiterentwicklung. Die Frage ist nicht ob — sondern wann.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Und diesmal ist etwas anders.</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Generation (X) hätte vorbereitet sein können. Wir haben erlebt, wie drei Fernsehprogramme zur globalen Medienlandschaft wurden. Wie das WWW in wenigen Jahren alles veränderte, was wir über Information, Öffentlichkeit und Kommunikation zu wissen glaubten. Wie soziale Netzwerke Demokratien destabilisierten, bevor irgendjemand die Konsequenzen durchdacht hatte.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Wir haben die Muster gesehen. </h5>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hätten im Urteilsvermögen geschult sein sollen — durch Erfahrung, wenn schon nicht durch Bildung. Und dennoch erleben wir denselben Rückzug. Dieselben Reflexe. Als hätten wir nichts gelernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">K.I. ist ein solcher radikaler Umbruch. Vielleicht der größte seit der Industrialisierung. Und diesmal sollten wir gelernt haben, was seit Moore&#8217;s Law 1965 zur empirischen Konstante geworden ist: </p>



<h5 class="wp-block-heading">Entwicklung beschleunigt sich exponentiell. </h5>



<p class="wp-block-paragraph">Was früher Jahrzehnte brauchte, passiert heute in Jahren. Was heute Jahre braucht, wird morgen Monate brauchen. Das verändert alles. Der Rückzug ins Bekannte kommt — das ist sicher. Aber ob die Weiterentwicklung noch rechtzeitig kommt, ist diesmal offen. Bengio hat einen technischen Lösungsweg gefunden, sein Optimismus ist gewachsen. Aber er bleibt dabei: Selbst ein Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Katastrophe dieses Ausmaßes ist nicht akzeptabel. Das ist keine Hysterie. Das ist Kalkül.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Und die Zeit wird knapp.</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sind alle gefordert. Gesellschaft, Politik, Konzerne — niemand kann sich aus diesem Dilemma heraushalten. Die Antwort auf Bengios Warnung ist kein individuelles Problem. Sie ist eine kollektive Aufgabe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sie beginnt beim Einzelnen. Ich habe keine abschließende Antwort. Aber ich habe eine Haltung. Ich schätze die Vorteile der K.I. — werde mir das Leben und die Kreativität aber nicht aus der Hand nehmen lassen. Wie die Fotografie den Maler nicht ersetzt, sondern befreit hat — von der Pflicht zur Abbildung zur Freiheit der Interpretation — kann KI den kreativen Prozess erweitern. Aber nur, wenn man die Verantwortung für Urteil und Ergebnis behält. Das ist keine Verweigerung. Das ist der Anfang. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich verfolge das in unseren Medienangeboten täglich: die Förderung von Urteilsvermögen, von Neugier, von ehrlicher Komplexität. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Armin Maiwald hatte recht: <em>Wir sind nicht die Schule der Nation.</em> Wir sind etwas anderes. Ein anderer Wirklichkeitszugang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist das, in Zeiten wie diesen, das Wichtigste, was wir sein können. <a href="https://youtu.be/PiXA0ul9ACs?si=DNPE7iiypOUKBPAt">Hito Steyerl auf der re:publica26</a></p>



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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Form ohne Überzeugung</title>
		<link>https://matthiaskoernich.de/2026/04/30/form-ohne-ueberzeugung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Matthias Körnich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 16:13:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Think different“ als Poster im Co-Working-Space. „One more thing“ als Rhetorikschablone für Produktpräsentationen. Steve Jobs als Beweis dafür, dass Visionäre keine Kompromisse machen und trotzdem – oder deswegen – erfolgreich werden. Diese Rezeption ist so verbreitet, dass man fast vergisst zu fragen: Was hat er eigentlich gemeint? Jobs wird als Ikone des Andersseins zitiert. Was [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://matthiaskoernich.de/2026/04/30/form-ohne-ueberzeugung/">Form ohne Überzeugung</a> erschien zuerst auf <a href="https://matthiaskoernich.de">Matthias Körnich – Medien, Haltung, Storytelling</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">„Think different“ als Poster im Co-Working-Space. „One more thing“ als Rhetorikschablone für Produktpräsentationen. Steve Jobs als Beweis dafür, dass Visionäre keine Kompromisse machen und trotzdem – oder deswegen – erfolgreich werden. Diese Rezeption ist so verbreitet, dass man fast vergisst zu fragen: Was hat er eigentlich gemeint?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jobs wird als Ikone des Andersseins zitiert. Was er selbst verabscheute, war genau das: Oberfläche ohne Kern, Form ohne Überzeugung, Geste ohne Substanz. Das Interessante ist nicht seine Popularität – sondern was dabei meist ungesagt bleibt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was er wirklich meinte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Zeitlose an Jobs hat wenig mit Disruption zu tun. Es hat mit Weglassen zu tun. Mit der Überzeugung, dass Weglassen schwerer ist als Hinzufügen – und ehrlicher. Und mit einer fast puritanischen Idee: Die Rückseite des Geräts muss genauso sorgfältig gestaltet sein wie die Vorderseite. Auch wenn sie niemand sieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist keine Designphilosophie. Das ist eine Ethik. Die Aussage lautet: Was du nicht zeigst, prägt trotzdem, was du bist. Haltung ist nicht Außenwirkung. Sie ist Struktur. Anders sein ist kein Selbstzweck.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Wege zur selben Überzeugung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie viele begleitet Jobs mich schon sehr lange – zusammen mit Otl Aicher und der Pop Art. Was sie verbindet, ist nicht Stil. Es ist eine gemeinsame Grundsüberzeugung über das Verhältnis von Form und Wahrheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aicher, Gestalter und Mitbegründer der Ulmer Hochschule für Gestaltung, formuliert es als erkenntnistheoretische These: Form ist keine Dekoration. Sie ist Aussage. Wer etwas gestaltet, trifft eine Entscheidung darüber, was er für wahr hält. Schlechte Gestaltung lügt – nicht absichtlich, aber strukturell. Sie behauptet etwas, das nicht stimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pop Art – Warhol, Lichtenstein, Hamilton – dreht denselben Gedanken um. Sie nimmt das Banale ernst und das Bedeutsame ironisch. Nicht als Provokation, sondern als Präzision. Der Campbell’s-Suppendose wird dieselbe Aufmerksamkeit geschenkt wie einem Historienbild. Die Frage dahinter: Was entscheiden wir eigentlich, wenn wir entscheiden, was Aufmerksamkeit verdient? Und wer entscheidet das – und warum?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei verschiedene Wege. Aicher sagt: Form ist Aussage, also lüg nicht mit ihr. Jobs sagt: Oberfläche und Kern sind dasselbe, also versteck nichts. Warhol sagt: Alles ist Oberfläche – also nimm die Oberfläche ernst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das klingt widersprüchlich. Es ist es nicht. Alle drei meinen dasselbe: Haltung zeigt sich im Gemachten, nicht in der Selbstbeschreibung. Man erkennt sie nicht an dem, was jemand über sich sagt. Man erkennt sie an dem, was jemand weglässt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum das nicht veraltet</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trends veralten, weil sie Antworten auf Fragen sind, die sich ändern. Dieses Denken veraltet nicht, weil es keine Antworten liefert. Es stellt Fragen, die sich nicht ändern: Was lässt du weg? Was versteckst du? Was behauptest du mit der Form, die du wählst – bewusst oder unbewusst?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das sind keine ästhetischen Fragen. Es sind ethische. Und sie stellen sich überall, wo etwas gemacht wird: in der Produktentwicklung, in der Kommunikation, in der Narration, in der Führung. Auch in der Frage, wie man mit neuen Werkzeugen umgeht – welche man benutzt, welche man ablehnt, und warum.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Apple und KI</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Apple hat kein eigenes Frontier-Modell entwickelt – kein Large Language Model, das im Wettbewerb mit GPT-4 oder Gemini steht. Stattdessen setzt Apple auf eine Architektur aus eigenen On-Device-Modellen für einfachere Aufgaben und integriert ChatGPT von OpenAI für komplexere Anfragen – eingebettet in Siri, in die Schreibwerkzeuge, unsichtbar gemacht hinter der gewohnten Oberfläche. Die KI ist da, aber sie zeigt sich nicht als solche. Apple Intelligence heißt das System. Der Name ist Programm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">John Ternus, ab September 2026 CEO und Nachfolger von Tim Cook, hat seinen Hintergrund in der Hardware-Entwicklung. Ob er die KI-Strategie fortschreibt oder neu justiert, bleibt abzuwarten. Cook selbst hat Apple in dieser Frage bewusst zurückhaltend positioniert: nicht der Erste, aber der Kontrolliertere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist das im Geist von Jobs? Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten, wie sie klingt. Jobs hat nie den First-Mover-Vorteil als Wert anerkannt. Er hat den MP3-Player nicht erfunden, das Smartphone nicht, den Tablet-Computer nicht. Er hat gewartet – bis er wusste, wie es richtig geht. Dann hat er alle anderen unsichtbar gemacht. In diesem Sinn: ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Jobs hat auch nie etwas in ein Produkt gelassen, das er nicht vollständig verstand. Die Rückseite des Geräts gehörte ihm – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Ob das bei zugekaufter KI-Infrastruktur noch gilt, ist eine offene Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hält Apple gerade an der Substanz fest – oder nur an der Pose der Kontrolle?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Matthias Körnich ist Head of Children &amp; Family beim WDR. Er beschäftigt sich mit der Schnittstelle von Kreativität, Gestaltung und neuen Technologien.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>KI ersetzt keine Kreativität. Aber Zögern hat Konsequenzen.</title>
		<link>https://matthiaskoernich.de/2026/04/12/ki-ersetzt-keine-kreativitaet-aber-zoegern-hat-konsequenzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Matthias Körnich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 13:49:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Kreativität]]></category>
		<category><![CDATA[Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Medienmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Tech-Konzerne]]></category>
		<category><![CDATA[Veränderung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Seltsamste an der aktuellen KI-Debatte ist nicht, was sie behauptet. Es ist, was sie nicht fragt. Wer heute in Kulturinstitutionen, Redaktionen oder kreativen Unternehmen über Künstliche Intelligenz spricht, erlebt meistens dasselbe: nickendes Unbehagen, sorgfältig formulierte Distanz und eigentlich hat man das Ganze noch nicht wirklich angefasst hat. Verständlich &#8211; aber problematisch. Skepsis ist erstmal [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://matthiaskoernich.de/2026/04/12/ki-ersetzt-keine-kreativitaet-aber-zoegern-hat-konsequenzen/">KI ersetzt keine Kreativität. Aber Zögern hat Konsequenzen.</a> erschien zuerst auf <a href="https://matthiaskoernich.de">Matthias Körnich – Medien, Haltung, Storytelling</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Das Seltsamste an der aktuellen KI-Debatte ist nicht, was sie behauptet. Es ist, was sie nicht fragt.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer heute in Kulturinstitutionen, Redaktionen oder kreativen Unternehmen über Künstliche Intelligenz spricht, erlebt meistens dasselbe: nickendes Unbehagen, sorgfältig formulierte Distanz und eigentlich hat man das Ganze noch nicht wirklich angefasst hat. Verständlich &#8211; aber problematisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Skepsis ist erstmal okay. Die Vorbehalte gegenüber KI sind ganz klar berechtigt – als Fragen nach Urheberschaft, nach Datenmacht, nach der Verflachung von Ausdruck durch statistische Wahrscheinlichkeit. Aber Skepsis, die sich zur Haltung verfestigt, verwandelt sich in etwas anderes: in Stillstand. Und Stillstand hat immer Nutznießer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wir haben das Muster schon oft erlebt.</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Buchdruck würde das Gedächtnis zerstören. Das Kino würde die Sittlichkeit untergraben. Das Fernsehen würde den Verstand vernebeln. Das Internet würde die Aufmerksamkeitsspanne auf Null reduzieren. Jede dieser Diagnosen stimmte teilweise. Aber keine davon beschrieb einen Endzustand. Und niemand würde bestreiten, das jedes dieser Medien die kreativen Prozesse erweitert hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was diese Debatten verbindet: Sie beschreiben immer die Übergangsphase als wäre sie das Ziel. Als wäre die Druckerpresse das, was man mit ihr zuerst gedruckt hat. Das Neue erscheint zuerst in seiner rohsten Form, und diese rohe Form wird dann zum Beweisstück gegen das Neue insgesamt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit KI ist es nicht anders. Was wir heute erleben – generierte Textwüsten, inflationierte Bilder, synthetische Stimmen ohne Haltung – ist nicht das Ende der Geschichte. Es ist ihr Anfang. Und er ist, wie alle Anfänge, unfertig und laut.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer profitiert vom Zögern?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die öffentliche Debatte über KI – so notwendig sie ist – hat eine Schattenseite, die selten benannt wird: Sie kauft Zeit. Nicht für die, die debattieren. Sondern für die, die längst handeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die großen Technologiekonzerne brauchen den Regulierungsdiskurs nicht zu gewinnen. Sie müssen ihn nur überleben. Während Kulturinstitutionen auf Klärung warten, während Kreative die Grenze zwischen Werkzeug und Bedrohung noch verhandeln, während Kommissionen tagen und Positionspapiere entstehen – skalieren andere. Sie schaffen Fakten: in Infrastruktur, in Trainingsdaten, in Marktanteilen, in Abhängigkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer die Infrastruktur kontrolliert, während andere debattieren, gewinnt – unabhängig davon, wie die Debatte ausgeht. Das war bei den frühen Printmedien so. Bei den Rundfunklizenzmodellen. Beim Plattformkapitalismus des Internets. Und es ist bei KI nicht anders.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Begründeter Skeptizismus und strategisch instrumentalisierter Skeptizismus sehen von außen identisch aus. Das macht letzteren so wirksam.</em></strong></p>
</blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Die falsch gestellte Frage</h2>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Ersetzt KI menschliche Kreativität?&#8220; ist eine schlechte Frage. Sie klingt präzise, ist aber eine Kategorienverwechslung. KI ersetzt keine Kreativität, so wie das Klavier keine Komposition ersetzt – und so wie die Schreibmaschine keine Literatur ersetzt hat, obwohl sie das Schreiben grundlegend verändert hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Welt existiert für uns nicht als gegebene Tatsache, die man richtig oder falsch beurteilen kann. Sie wird durch Gestaltung erst erkennbar. Wer nicht entwirft, weiß nicht. Das hat Otl Aicher, der Gestalter wegweisender Designs, die Welt als Entwurf genannt — und er meinte damit keine Designtheorie, sondern eine Erkenntnistheorie.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wer nur beobachtet und urteilt, ohne zu gestalten, bleibt außen – und sein Urteil bleibt notwendig ungenau, nicht weil die Argumente falsch wären, sondern weil das Wissen fehlt, das nur der Eingriff erzeugt.</strong></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die interessantere Frage lautet deshalb: Was passiert mit dem kreativen Prozess, wenn ein Werkzeug die Reibung verändert? Denn nicht jede Reibung ist störend. Manche ist konstitutiv. Sie erzwingt Entscheidungen, schärft Haltung, erzeugt Stimme. Welche Reibung will man behalten – und welche kann man abgeben? Das lässt sich nicht im Voraus entscheiden. Das lässt sich nur herausfinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich arbeite seit einiger Zeit an dieser Grenze – als Macher, als jemand, der Geschichten entwickelt und produziert, und als jemand, der selbst schreibt. Die Erfahrung ist nicht, dass KI ersetzt. Das ist ein Lernprozesse, der aber nur durch Übung und kritisches Hinterfragen gelingt. Dann kann KI sichtbar machen: was man wirklich denkt, was man wirklich sagen will, wo man aufgehört hat, genau zu sein. Ein gutes Werkzeug zeigt die Stellen, an denen man nachlässig geworden ist. &#8211; Vorausgesetzt man betrachtet die Ergebnisse kritisch und gibt das Steuerrad nicht aus der Hand.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mut zur vorläufigen Dummheit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gegenmittel gegen schlechte Gewohnheiten ist nicht die richtige Haltung. Es ist die konkrete Erfahrung. Ausprobieren. Scheitern. Beurteilen – nicht im Voraus, sondern danach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das klingt banal, ist es aber nicht. Es erfordert etwas, das in kreativen Berufen selten offen eingefordert wird: den Mut zur vorläufigen Dummheit. Den Mut, ein Werkzeug schlecht zu benutzen, bevor man es gut benutzt.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Den Mut, sich zu irren – und diesen Irrtum als Erkenntnisquelle zu behandeln, nicht als Blamage.</strong></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Welt als Entwurf — das gilt auch für die Werkzeuge, mit denen man sie gestaltet. Aber nur, wenn man sie anfasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Matthias Körnich</p>
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