Preteens und Teens brauchen andere Geschichten – und warum „POV“ genau jetzt kommt

Es gibt Generationen, die wachsen mit Fernsehen auf, und es gibt Generationen, die wachsen mit Feeds auf. Dazwischen leben jene, die derzeit Preteens und Teens genannt werden – eine Zielgruppe, die vermutlich keinen Namen will, schon gar keinen Etikettenschwindel. Was sie aber sehr wohl will: gesehen werden.

Im Sinne von echter Sichtbarkeit: Wer hört uns zu? Wer versteht, wie wir leben? Wer nimmt unsere Welt ernst – und zwar ohne sie zu belächeln?

Format für Teens vom WDR für die ARD

Zwischen Social-Media-Verbot und Dauerbeurteilung: Jugendliche suchen Räume, die ihnen gehören

Die mediale Realität junger Menschen ist paradox: Einerseits verbringen viele einen Großteil ihres Alltags online, andererseits sind digitale Räume zunehmend durch Regeln, Verbote oder Algorithmen geprägt, die sie nicht kontrollieren. Wer mit 12, 13 oder 14 Jahren versucht, sich eine stabile Identität zu bauen, findet sich häufig in Umgebungen wieder, die von permanenter Bewertung leben.

Und genau da entsteht eine Lücke.

Eine Lücke zwischen:

  • „Du bist zu jung für Social Media.“
  • „Aber bitte sei digital kompetent.“
  • „Informier dich!“
  • „Aber möglichst nicht dort, wo du dich ohnehin aufhältst.“

Es ist eine Generation, die viel aushält – und trotzdem selten gefragt wird, wie es ihr damit geht. Oder wie sie ihre Welt überhaupt wahrnimmt.

Warum ein Format wie „POV“ jetzt wichtig ist

Mit „POV – Deine Geschichte zählt“ macht der #WDR für die #ARD ein journalistisches Angebote für Jugendliche, und zwar konsequent aus ihrer Perspektive heraus. ARD-Mediathek.

Vier Hosts – Kiara Jade, Noel Dederichs, Helena Clear und Valentin Wilczek – erzählen gesellschaftspolitische Themen nicht über Jugendliche, sondern mit ihnen. Mit Selfie-Kamera, Handkamera, persönlichen Geschichten. Nicht, weil es hip wirkt, sondern weil dies die authentische Art ist, wie junge Menschen heute Realität dokumentieren.

Und vor allem: weil diese Generation ein feines Gespür dafür hat, ob etwas „für Fans und Follower produziert“ wurde oder aus echter Neugier.

Leonie, Anna und die Frage: Was ist eine echte Freundschaft?

Die erste Folge zeigt, warum dieses Format mehr ist als ein Jugendprogramm.

Leonie (16) fühlt sich in der Schule häufig ausgeschlossen. Ihren festen Halt findet sie dort, wo viele junge Menschen heute ihre emotionale Basis suchen: in digitalen Communities, Fan-Gruppen, Musik-Subkulturen. In genau solchen Räumen wird Zugehörigkeit neu verhandelt – oft ehrlicher als in Klassenzimmern.

Dort lernt sie Anna kennen. Gleich alt. Gleiche Musik. Gleiche Sehnsucht nach einem Ort, an dem man nicht bewertet wird.

Die beiden werden Freundinnen. Enge Freundinnen. Nur: Sie haben sich noch nie im echten Leben gesehen.

Der Moment des ersten Treffens – begleitet von Host Valentin Wilczek – ist ein leises, starkes Statement über die Realität junger Menschen im Jahr 2026. Es geht nicht darum, ob Online-Freundschaften „wirklich echt“ sind. Es geht darum, wer definiert, was echt ist.

Und ob nicht gerade diese Generation dabei ist, uns ältere Semester genau das beizubringen.

Fazit: „Deine Geschichte zählt“ – ja, wirklich

Mit „POV“ reagiert das Team auf die Nutzerbedürfnisse der Zielgruppe:

  • kürzere Erzählformen
  • stärkere Personalisierung
  • visuelle Sprache aus dem Alltag junger Menschen
  • Ausspielwege, die Jugendliche tatsächlich nutzen

Das Format ist damit nicht nur ein redaktioneller Schritt, sondern ein kultureller: Es anerkennt, dass die Lebenswirklichkeit junger Menschen nicht „fehlgeleitet“ ist, sondern anders strukturiert – und dass Journalismus sich anpassen muss, wenn er relevant bleiben will.

„POV“ ist ein Angebot, das jungen Menschen nicht erklärt, wie die Welt funktioniert. Sondern ihnen Raum gibt, ihre eigene Welt und Weltsicht sichtbar zu machen. Ohne moralisches Schulterklopfen. Ohne pädagogischen Zeigefinger. Und ohne die Angst, „zu viel Nähe“ zuzulassen.

Denn vielleicht ist genau das der Punkt: Diese Generation möchte nicht nur konsumieren. Sie möchte erzählen.

Und genau hier setzt „POV“ an: zuhören, begleiten, ernst nehmen – und Geschichten sichtbar machen, die sonst niemand erzählen würde.

„POV – Deine Geschichte zählt“ ist eine Produktion von We Are Era und Kanakfilm im Auftrag der ARD unter Federführung des WDR. Redaktion: Diana Aust (WDR), Ingrid Zimmer (WDR). Produktion: Kanakfilm Berlin GmbH, We Are Era, Yelda Türkmen, Markus Heidmeier . Danke an das gesamte tolle Team!

POV – Deine Geschichte zählt. Format vom WDR für die ARD
Matthias Körnich
Matthias Körnich
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